Alternativer Stadtspaziergang ein voller Erfolg!

Unser aller „Initiative „Spekulationsparadies Leopoldstadt“ hat am Samstag, den 7.5. einen alternativen Stadtspaziergang mit Diskussion und Information zu den Brennpunkten der Stadtentwicklung in der Leopoldstadt organisiert. Das Thema scheint nicht gerade breitenwirksam. Doch es geht um nichts anderes als die Ausgestaltung der Zukunft der Lebens- und Wohnräume im Bezirk und in Wien.

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Ca. 50 MenschInnen wollten mehr darüber wissen, was hier in der Leopoldstadt, immerhin Heimat des größten Stadtentwicklungsraumes von Wien derzeit – oftmals falsch – läuft. Unsere ExpertInnen Stefan, Christoph, Andreas und Josef informierten umfassend über Hintergründe und Details.

Der Stadtspaziergang im kurzen Rückblick
Bei guter Stimmung über das große Interesse und wunderschönem Maiwetter wanderten wir vom Stadioncenter (das dem Kleingewerbe in der Leopoldstadt seit seiner Eröffnung massive Konkurrenz bereitet) zur Krieau/dem Viertel Zwei. Hier kann man sehr gut sehen, wie die zukünftige neoliberale Stadt sein soll: außerhalb der Rush-Hour der Büros unbelebte, zubetonierte Viertel mit Null Freizeitwert. Nur wenige nutzen die „Erholungsräume“ mit biologisch-umkippendem See sowie mickrigen Bäumen, die einsam zwischen den Betonräumen hervorlugen. Dafür ist der Grüne Prater in der Nähe, was zukünftigen Nutzungsdruck für das Naherholungsgebiet bedeutet. Die neu entstehenden Bauten auf einem Teil der Krieau stehen in der selben Tradition: Platz für Handel, Spekulationswohnraum und Profit an einem der schönsten Plätze Wiens. Für die Menschen, die im angrenzenden Gemeindewohnbau wohnen stellen diese neuen Viertel mit der U2-Trasse eine Barriere gegenüber dem größten Naherholungsgebiet der Stadt dar. Es wurden auch als hochrangige Querungen angelegte Straßen entdeckt, die im Nirgendwo münden. Wir werden sehen müssen, wohin diese zukünftig führen.

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Weiter ging es (vorbei an der Albrechtskaserne) hin zur ehemaligen Wilhelmskaserne. Dort soll einer der letzten „Stadtdschungel“ im Bezirk mit hochpreisigen Eigentumswohnungstürmen zugepflastert werden. Die BewohnerInnen des Grätzels der ehemaligen Wilhelmskaserne wohnen ja in geförderten Genossenschaftsbauten, ihnen sollen dem Profit unterworfene Wohntürme vor die Nase gestellt werden.

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Über den Vorgartenmarkt (Erinnerungen zu dessen vormaligen Zustand wurden ausgetauscht) ging es bei Querung der – wie unser Experte Stefan fundiert darlegte – überdimensionierten Lasallestraße, einer weiteren Barriere im Bezirk, zum Bednarpark.

Dort wurde über die nicht ganz gelungene Ausgestaltung des Parks und die ihn umgebenden Wohnbauten diskutiert. Weder gibt es dort modellierten Raum (eine einzige, relativ kahle freie Fläche), noch sind die Erdgeschosse belebt. Es dominieren Fahrradabstellräume und geschlossene Flächen. Auf Lokale und selbstverwaltete Freiräume durch offene Erdgeschosszonen wurde vergessen. Auch hier gibt es wenig Urbanität im öffentlichen Raum. Wie unser Experte Andreas darlegt, sind die Schutzzonen für die Wechselkröte unprofessionell angelegt, und bald wird wohl diese geschützte Art dort nicht mehr vorkommen. Gesprochen wurde auch über interessante Projekte mit wirklichem Genossenschaftsanspruch und leistbares mitbestimmtes Wohnen für alle.

Josef stellte klar, dass die derzeitige Bezirkspolitik zur Stadtentwicklung zum Großteil Wohnen als Ware sehen will und für wirklich sozialen und ökologischen Wohnbau wenig bis gar kein Platz ist.

Unser letzter Haltepunkt war die noch bestehende – zukünftig auch versprochene aber in Gefahr befindliche – freie Mitte des Nordbahnhofgeländes mit der „Alm DIY“. Hier, auf einer der letzten „Gstätten“ in der erweiterten Innenstadt, haben sich Initiativen einen Freiraum geschaffen und z.B. einen Skaterpark angelegt. Beim Lokalaugenschein spielen hier Kinder und Jugendliche. Sie finden einen geeigneten Raum, sich auszuleben. Auch solche Plätze braucht eine Stadt, nicht nur restriktive Areale wo fast alles verboten ist, was Spaß macht. Nach der Information darüber, welche Steine diesem Projekt in den Weg gelegt werden, stellen wir fest: Selbstverwaltung und Eigeninitiative ist in der Bezirkspolitik bei der Stadtplanung nicht erwünscht.

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Abschließend ging es zum Cafe Else in der Heinestraße, wo noch heiß diskutiert und vernetzt wurde.

Resümee: Die Leopoldstadt ist eine kleine Welt, in der die prekäre zukünftige Entwicklung der Stadt ihre Probe hält.

Eine folgende Info- und Diskussionsveranstaltung ist schon für Juni geplant. Angedacht wäre, ExpertInnen wie Reinhard Seiß und Knoflacher zum Thema zu befragen. Genauer Termin: tba!

Wir bleiben dran, es wird noch viel von uns gehört werden!

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