Bebauungssünde am Restareal der vormaligen Wilhelmskaserne

Trotz Klimawandel und wachsendem Bedarf nach leistbarem Wohnraum entsteht einmal mehr eine spekulationsgetriebene Betonwüste in der Leopoldstadt.

Ein Artikel von Eva Hopfgartner.

Die Nachrichten bezüglich neuer Hitzerekorde und Jahresdurchschnittswärmerekorde überschlagen sich. Bei der Klimawandelanpassung von Wien wie sie der Stadtentwicklungsplan STEP 2025 für das Stadterweiterungsgebiet der Leopoldstadt vorsieht, geht es um die Einhaltung von qualitativen und quantitativen Freiraumkennwerten, die Erzielung von geringeren Versiegelungsanteilen (die Erhaltung bzw. Schaffung solcher Grünflächen, die zwischen bereits bestehenden Verbauungen existieren), erhöhte Baumbepflanzungen, mehr Beschattung, ein besseres Regenwassermanagement und geringere CO2-Emissionen.

Wir wissen aber auch: Wien wächst; wir brauchen mehr Wohnraum: leistbaren Wohnraum für alle. Sich diesem spannungsgeladenen Spagat zwischen ökologisch-nachhaltigem Lebensraum  und leistbarem, sozialem (!) Wohnraum zu stellen, sollte für die (politischen) Entscheidungsträger eine Selbstverständlichkeit sein!

Was aber de facto auf den letzten 5.700 m2 der ehemaligen Erzherzog Wilhelmskaserne, zwischen Engerthstraße 223 / Kafkastraße und Vorgartenstraße entstehen soll sind einmal mehr: profitorientierte, für die Masse der Bevölkerung unleistbare, frei-finanzierte Mietwohnungen ohne Rücksicht auf die (Teil)Erhaltung von Freiräumen bzw. von schützenswerter Fauna und Flora (Silberweiden, Bergahorn, Kastanienbäume, Kerzenwacholder, Fledermäuse, Mittelspecht, etc.).

„Gärtnerisch ausgestaltete Flächen sowie Flächen von mehr als 12 m² als begrünte Flachdächer“ sowie „verbleibende Erdkerne mit einer Tiefe von 1,65 Meter“, die anstelle dessen entstehen werden, sind mit der derzeitigen Situation nicht im Geringsten vergleichbar. Statt auf die Erhaltung von alten Bäumen, wird auf das Herstellen von begrünten Flachdächern und neuen Baumreihen gesetzt. Letztlich ist zu befürchten, dass Grünflächen komplett aus dem Gebiet verschwinden werden. Außerdem sind durch das geplante Bauvorhaben drastische Auswirkungen auf das städtische Kleinklima inklusive CO2-Emissionen (Tiefgaragen), Boden- und Grundwassersituation zu erwarten.

Die (Teil)Erhaltung dieses „Gstetten“-Juwels auf öffentlichem Grund (als Kasernengrund gehört er dem Bund, also uns allen!) muss wirtschaftlichen Interessen, und keineswegs dem sozialen Wohnbau weichen.

Der Bauträger ist die ARE GmbH, eine Tochtergesellschaft der BIG (Bundesimmobiliengesellschaft).

Auf die zahlreichen Einwendungen der AnrainerInnen und der Umweltanwaltschaft im Rahmen des Flächenumwidmungsverfahrens wurde keinerlei Rücksicht genommen. Es erfolgte auch keine Flächenumwidmung in „Bauland für sozialen Wohnbau“. Ziel der Raumplanung muss es sein, die vorhandenen Flächen sinnvoll zu nutzen und dabei durch gezielte Maßnahmen die Lebensqualität der Bürger und Bürgerinnen zu erhalten bzw. zu steigern. Genau das geschieht hier nicht!!

 

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