Stadtentwicklungs-Zielgebiet Nordbahnhofviertel gefährdet!

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Durch die von der Stadt Wien getätigte Verpflichtung zur Einhaltung der STEP 2025-Vereinbarung und die zu erwartende CO2-Ausstoßüberschreitung ist dieser Plan bedroht.

Die STEP 2025-Vereinbarung, zu deren Einhaltung sich die Stadt Wien verpflichtet hat, sieht einen maximalen CO2-Ausstoß von 150 Tonnen pro Jahr für das Zielgebiet Nordbahnhof vor. Eine Überschreitung dieses Wertes liegt nun auf der Hand: Wenn die Stadtwerke Holding das gesamte Erweiterungsgebiet mit Fernwärme versorgen wird – so die mögliche Variante I –, werden mindestens 160 Tonnen CO2 pro Jahr ausgestoßen.

Dies bedeutet einerseits eine Mehrinvestition von 6 Millionen Euro, die die Wiener Netze so nicht haben werden: Die umfassende Sparpolitik der Stadtwerke Holding sieht einerseits Mitarbeiterkürzungen vor und andererseits wird hier zweifelhaft investiert, denn die Variante I erfordert einen Neubau der gesamten Fernwärmeleitung (wofür seit Jahren kein Geld mehr vorhanden war), weil deren bestehende Dimensionierung für das größte Stadtentwicklungsgebiet (größer als die Seestadt Aspern) keinesfalls ausreicht.

Darüber hinaus erfordert auch diese Variante zusätzliche Maßnahmen, auf die die Planer und die Stadt Wien bestehen, um die STEP 2025-Vereinbarung zu halten: Um auf die 150 Tonnen CO2-Ausstoß zu gelangen, wären kombinierte Windkraft-/Fotovoltaikanlagen auf den Hochhäusern erforderlich!

Wie aus internen Kreisen der Stadtwerke Holding zu entnehmen, sieht die abgespeckte, aber sinnvollere Variante II den Ausbau dessen vor, was das bestehende Netz hergibt, bzw. darüber hinaus die Versorgung mit Gas, die billiger kommen würde. Der Kostenpunkt dieser Variante II liegt bei 2,5 Millionen Euro, bedingt jedoch einen CO2-Ausstoß in der Höhe von 220 Tonnen pro Jahr.

In Bezug auf das UVP-Verfahren, für das der CO2-Ausstoß essenziell ist, ist auch die Intention der Stadt Wien und der ÖBB Immobilien Holding zu verstehen: Durch den billigen Verkauf der Gründe an stadtnahe Konzerne, wie die Wiener Städtische sowie die Bank Austria, soll das UVP-Verfahren umgangen werden, solange man noch selbst Eigentümer ist!

Weitere Problemfelder

Daneben sind weitere infrastrukturelle Problemlagen durch den Entwurf des Stadtentwicklungskonzepts – hier wird eine mittelgroße Stadt geschaffen! – bei Weitem nicht einer plausiblen Lösung zugeführt, wie das Verkehrskonzept (Individual- und öffentlicher Verkehr) sowie dessen Belastungen zeigen. Auf notwendige Bildungseinrichtungen, abgesehen von Kindergärten (wo generelle Unterversorgung herrscht), wurde vergessen. Fehlanzeige auch in der Gesundheitsversorgung, und von sozialer Durchmischung, von tatsächlichem sozialem Wohnbau ist keine Rede. Wer trägt die Kosten für den Abbau des kontaminierten Erdreichs am Nordbahnhof und dessen Deponierung als Sondermüll, wohl die öffentliche Hand?

Negativbeispiele in unserer Stadt gibt es bei Weitem genug. Hier gilt es nur auf Reinhard Seiß zu verweisen mit seiner Publikation „Wer baut Wien?“. Und wer es nicht glaubt, der begebe sich in die Seestadt Aspern, TownTown, Viertel Zwei Krieau, … !

Was sagen hierzu unsere Stadträtin Ulli Sima, zuständig für Umweltbelange, sowie unsere Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou, die für die Stadtentwicklung verantwortlich zeichnet?!

Die neugegründete Initiative „Spekulationsparadies Leopoldstadt“ wird ab nun über – nicht nur diese – Fehlentwicklungen der profitoptimierten Stadtentwicklung informieren. Sie hören von uns!

(Lektorat: Edith Hochegger, Graz – „die LEKTOREI“)

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5 Antworten zu “Stadtentwicklungs-Zielgebiet Nordbahnhofviertel gefährdet!

  1. Das versteh ich aber nicht: „Auf notwendige Bildungseinrichtungen, abgesehen von Kindergärten (wo generelle Unterversorgung herrscht), wurde vergessen.“ Es ist doch ein Bildungscampus geplant.

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    • Liebe Brigitte!
      Ich bin da jetzt nicht der Experte, werde diese Anfrage jedenfalls an jemanden weiterleiten, der sich damit auskennt und dementsprechend weiterführende Infos hat.
      Was allerdings mein Wissensstand ist:
      1. Für das Stadtentwicklungsgebiet in der Größe einer österreichischen Kleinstadt ist ein einzelner zentraler Bildungscampus durchaus zu wenig. Zudem sind die umliegenden Schulen bereits jetzt überlastet und es wird auch Druck aus den umliegenden Vierteln auf den neuerrichteten Bildungscampus ausgeübt werden.
      2. Angeblich sind Schuleinrichtungen in Form eines Campus nicht mehr der letzte Stand der Dinge. Zu undifferenziert SchülerInnen aller Altersgruppen zu durchmischen ist scheinbar nicht das Gelbe vom Ei. Aber dies ist wie gesagt nur ergänzende, mir so um die Ecke vorliegende Info. Dies muss jetzt so nicht stimmen.
      LG Patrick

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      • lieber patrick,
        mich interessieren die ergebnisse des wettbewerbs für den campus, es werden ja alle einreichungen ausgestellt. dann können wir uns ein besseres bild über die architektonischen und pädagogischen voraussetzungen machen. im sonnwendviertel hat man sich beim campus sehr bemüht das system aufzubrechen und auf die durchmischung mit speziellen raumangeboten zu reagieren. ob es funktioniert wird man erst nach ein paar jahren beurteilen können…. mir gefällt es. wie auch immer, die engagierten bürgerInnen am nordbahnhof haben sich mit dem thema schon eingehend befasst. bist du mit ihnen in kontakt? LG brigitte

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    • Ja, der Bildungscampus ist geplant, aber
      1. Er wird erst relativ spät fertig werden
      2. Er versorgt sicher das Nordbahnhofgebiet + sogar noch angrenzende Einzugsgebiete (20. Bzk, 2.Bzk Taborstr.), aber der 2. Bezirk im Bereich Stuwerviertel über Wilhelmskaserne (auch ein zusätzl Neubau in Planung) bis hin zum Viertel Zwei Plus bleibt trotzdem unterversorgt, wobei der Bildungscampus auf der Höhe der Innstraße für diese Kinder auch schon wieder sehr weit weg ist und mit Öffis sowieso schlecht erreichbar sein wird.

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  2. Im 2. Bezirk – wie auch im Rest von Wien – wurden in den letzten Jahren zuwenig neue Schulen und Kindergärten gebaut, was jetzt einen dringenden Nachholbedarf ergibt.
    Verwunderlich, weil die steigende Geburtenrate ja schon 6 Jahre vor Schuleinstieg bekannt ist – genug Zeit, um rechtzeitig zu planen und zu bauen, müsste man meinen. Der rasant steigende Zuzug ist ja nicht gerade neu.
    Ein Bekannter hat jedenfalls seine Tochter aus dem Campus gleich wieder rausgenommen, weil sie dort unter 1000 SchülerInnen komplett verloren war.
    Da bin ich jedenfalls gespannt, ob der geplante Bildungscampus dann auch den Bedarf in weiterer Zukunft nachhaltig erfüllen wird.

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